Vanausbau 1.0 “Mr. Fox”

Vanausbau 1.0 “Mr. Fox”

Bis zu meiner grossen Reise quer durch Kanada, war ich immer nur in kleinen Dodge Caravans gereist. Diese geräumigen Familienkutschen hatten die optimale Länge und Höhe um darin ein Bettgestell einzubauen. Sie brauchten nicht viel Benzin, waren unauffällig und gingen auf Fähren und Campingplätzen als normales Auto durch. Ausserdem waren sie in Städten praktisch, weil man immer ein Parkplatz für sie fand. In einer Nebenstrasse schlafen war auch kein Problem, man fiel ja nicht auf. Diese kleinen Autos (zumindest für Kanada) hatten aber den entscheidenden Nachteil, dass sie gerade bei Regenwetter sehr wenig Rückzugsraum boten. Man kann in ihnen nicht im Trockenen kochen und essen. Es ist sehr wenig Stauraum vorhanden und man lebt zu zweit wirklich auf engstem Raum. Für einen kurzen Roadtrip von fünf Wochen ist das völlig okay. Darin aber zu zweit als Paar ein halbes Jahr zu leben, wäre wohl eine ziemliche Herausforderung geworden (das ist es auch in einem grösseren Van). Schnell war vor unserem Roadtrip also klar, es musste etwas Grösseres her.

Eckdaten Mr. Fox:

Mr Fox ist ein Dodge Sprinter 2500 Van in der 144“ Länge, mit hohem Dach und nahezu Vollausstattung. Er diente vor dem Kauf unter anderem auf den Ölfeldern in Alberta zum Personentransport. Mit Jahrgang 2007 hatte er zum Zeitpunkt des Kaufes ende April 2018 erst 151’000km gelaufen. Mr. Fox kam mit den für Kanada üblichen Schäden zu uns. Dazu gehörten diverse Risse und Steinschlagschäden in der Windschutzscheibe, kleinere Rostspotts, kaputte Sicherungen, fehlende Teile des Seitenspiegels, so wie eine menge Dreck im Inneren des Fahrzeugs.

Die meisten Sitzreihen im Inneren verkauften wir gleich an Ort und Stelle nach dem Kauf. Eine Sitzreihe mit zwei Sitzen behielt wir. Wir wollten uns mit den Sitzen im hinteren Teil des Vans die Option offen halten, weitere Mitreisende mitnehmen zu können. Hätten wir alle Sitze entfernt, wäre dies nicht mehr legal möglich gewesen. Das Behalten dieser einen Sitzbank führte im Verlauf des Innenausbaus dann aber immer wieder zu Stauraum raubenden Konstruktionen und dazu, dass wir wenig auf Ausbauideen aus dem Internet zurück greifen konnten, da die meisten Vans ohne verbleibende Sitzbänke ausgebaut wurden.

Auch wenn wir auf unserem Roadtrip nur wenig zum Personentransport von dieser Rückband Gebrauch machen konnten, so bot sie uns dennoch eine komfortable und stabile Sitzmöglichkeit wenn es draussen regnete. Wir konnten im Sitzen kochen und Essen und mussten nicht zu zweit dauernd auf dem Bett rumlümmeln.

Mr. Fox auf der Fähre

Ausbau Unterwegs – kein leichtes Unterfangen

Es mag sein, dass unser Ausbau für Menschen mit handwerklichem Verständnis einfach und ungenau wirken mag. Auch wir fanden nicht alles optimal, so wie wir es ausgebaut haben. Doch man muss bedenken, dass wir für den Ausbau keinen fixen Stellplatz, somit auch keine Werkzeuge oder eine Werkbank, die genaues Arbeiten ermöglichen, hatten. Wir haben gebaut, wenn es die Umstände zuliessen. Unsere Werkzeuge bestanden Hauptsächlich, aus einer Hilti Handkreissäge, einem Akkuschrauber, einem Dremel, einer Oszillationssäge, einem einfachen Metalwinkel (der nicht ganz winklig war, wie wir später feststellten) und einem Knarrenkasten (dessen Inhalt mehr Schrott als brauchbar war). Wir schnitten Holzplatten, in dem ich mich auf das eine Ende innerhalb des Vans drauf stellte um es zu beschweren, damit Tobi es ausserhalb zuschneiden konnte. Kaum etwas konnte einer von uns alleine anfertigen, da uns ganz einfach die Werkzeuge dazu fehlten (z.B. Schraubzwingen). Alles musste irgendwie improvisiert werden. Kommt noch dazu, dass ja auch die Wände im Van nicht gerade verlaufen, sondern nach oben rund werden. Alles musste innerhalb des Vans immer wieder neu vermessen und angepasst werden. Jedes noch so kleine Stücken Holz hatte seine ganz eigene Länge. So schafften wir oft in einem Tag nicht halb so viel, wie wir es zu Hause in einer ausgestatteten Werkstatt vielleicht geschafft hätten. Wir gingen immer wieder ästhetische Kompromisse ein, worüber wir uns auch oft aufregten oder frustriert waren. Schliesslich möchte man es ja richtig und schön machen. Dennoch liegt einem auch die Zeit im Nacken. Bei sechs Monaten Zeit und grossen Plänen, kann man nicht ewig am Van bauen. Irgendwann muss man dann auch einfach los. Wir befassen uns ja beide nicht erst seit gestern mit dem Ausbau eines Vans und Tobi hatte ähnliche, kleinere Projekte bereits gemacht. So schauten wir uns in der Vergangenheit immer wieder Van Conversions auf youtube an und holten uns Ideen von Instagram. Manchmal waren dann aber gerade diese Bilder eher kontraproduktiv, da vieles in unserem Van z.B. Auf Grund der extra Sitzbank gar nicht umsetzbar war.

Ein weiteres kleines Problem, stellte die Marke des Vans dar. Mr. Fox gehört zu den Sprintern, die in Deutschland durch Mercedes hergestellt und dann unter Dodge laufend in Kanada verkauft werden. Da heisst wir haben es mit einer amerikanischen Marke zu tun, hinter der aber ein deutsches Auto steckt. Somit sind alle Dinge in unserem Van metrisch und nicht zöllig, wie es sonst in Amerika üblich ist. Dies führte dazu, dass wir z.B. Für vier spezielle Schrauben drei Tage lang rund um Vancouver unterwegs waren, bis wir sie endlich, endlich in unseren Händen hielten. Ironischer weise benötigten wir diese Schrauben zur Befestigung der Sitzbank. Keine Sitzbank, weniger Probleme? Hätten wir zu Beginn unserer Reise gewusst, dass wir die Sitzbank nur wenige Male zum Personentransport in Gebrauch war, hätten wir sie vielleicht doch lieber ausgebaut. Aber wie heisst es so schön: “Danach ist man immer schlauer…”

Ausbau so günstig wie möglich

Der Name Mr. Fox kommt nicht von ungefähr. So sind wir ja auch zwei (manche sagen exreme) Sparfüchse und sparen gerne an allen Ecken und Enden. So war es anfangs unser Ziel den gesamten Van nur mit Secondhand Materialen aus ReStores, Thrift Shops, Garage Sales, oder wo wir sonst halt gerade Material gratis oder günstig her bekamen, auszustatten. Im Verlauf des Ausbaus mussten wir dann dennoch einige Male auf neue Materialien zurückgreifen. Vorallem der Aufbau des Betts, so wie die Grobteile der Küche liessen sich nicht aus Restposten zusammen suchen. In ReStors findet man meist nur kleinere Holzplatten und keine in der Grösse, dass sie für ein Bett reichen würden. Ausserdem muss eine Platte für ein Bett ja auch eine gewisse Stabilität aufweisen, damit wir zwei Fliegengewichte nachts sicher schlafen können. Auch hier gingen wir Kompromisse ein, blieben unserem Resycling und Secondhand Gedanken aber mehrheitlich treu. So haben wir z.B. Kinderzimmerschubladen von einem Garage Sale und Schubladen aus einem Abbruchhaus unter unserem Bett. Unsere Küchenzeile ist aus Treppenstufen gefertigt und unser Wassertank unter dem Bett haben wir auf einem verlassenen Waldstück gefunden. Wir haben rund um Vancouver wohl jeden Thrift Store gesehen, denn es gibt und unsere Route auch immer wieder extra über Orte gelegt, wo wir via Internet (craigslist.ca, kijiji.ca) Gegenstände gekauft hatten und dann abholten. Man kommt ganz gut rum, wenn man das macht und trifft immer wieder nette Leute. Häufig gibts dann auch Rabatt, wenn die Leute sehen, wofür man etwas benötigt. Oder man kriegt etwas extra geschenkt, weil Ihnen noch einfällt, dass sie da noch was haben, was uns dienen könnte und sie sowieso los werden wollten. An- und Verkauf und Second-hand ist hier in Kanada viel stärker verbreitet, als in Europa. Es ist normal. Jeder tut es, viele weil sie müssen. Uns hat das geholfen und jede Menge Spass gemacht. Wir können allen, die je einen Van in Kanada umbauen wollen, nur empfehlen es uns gleich zu tun.

Vorher
Nachher

Umbau in einzelnen Schritten – Was haben wir gemacht:

Ausbau der Sitze + Sitzbefestigungen, des Gummimatten Fussbodens + Multiplexholzplatten darunter, anschliessend Reinigung des Innenraums

Diese Arbeit dauerte ca. Einen Tag, da diverse Schrauben verrostet waren und sich mit unserem Werkzeug schwer entfernen liessen und weil der Innenraum stärker verschmutzt als erwartet war.

Van von Innen, wie gekauft
Teppiche raus. Dreck darunter
Van im sauberen Zustand

Verlegen eines eichenhartholz Fussbodens über die Originale Multiplexplatten

Dauer ca. Einen Tag, da wir wir div. Öffnungen aussparen mussten, damit die Sitze wieder eingelassen werden konnten, so wie für Lüftungsschlitze etc.

Einpassen der Sitze, zurechtschneiden der Metallhalteschienen und einlassen dieser in den Boden, so wie einpassen von starken Balken am Boden zur Befestigung aller nachfolgenden Bett- und Küchenkonstruktionen.

Dauer dafür ca. Vier Tage, da wir dazu spezielle metrische Schraube benötigten, welche wir drei Tage lang nirgends finden konnten.

Erster Teil einer Bettkonstruktion bilden, so dass die Matratze transportfähig darauf liegen konnte (Bett wäre aber nicht trage fähig gewesen, dass wir darauf hätten schlafen können)

Dauerte ca. einen Tag, danach zogen wir von Langley bei Vancouver an die Sunshinecoast um, wo wir weiter arbeiteten.

Arbeit am Äusseren des Vans

Entfernen aller schwarzen Stossleisten rund um den Van um diese zu reinigen, alle Rostspotts aufzurauen und neu zu versiegeln. Reinigung der Befestigungsnoppen unter den Stossleisten, so wie Versiegelung dieser mit Polyuretan (elastisch, wasserdicht, klebt wie Sau überall!! Geiler Scheiss, mit hohem nerv Potential) Neue Farbgebung in Orange, so wie Farberneuerung in Schwarz und Weiss rund um den Van.

Diese Arbeiten kosteten uns ca. Vier Tage unseres Lebens und sind noch nicht vollendet, da sich oberhalb der Fenster an den Hecktüren noch immer sehr viel Rost befindet, den es zu beseitigen gilt. Diese Arbeiten waren nötig, da unser Ziel war dem Van eine möglichst lange Lebenszeit zu ermöglichen. Rost verkürzt diese massiv, weshalb wir gerade auch rund um diese kleinen (verdammten) Noppen unter den Stossleisten alles so wasserdicht wie möglich versiegeln wollten. Dort läuft nämlich gerne Wasser in die Seiten des Vans hinein, dass sich dann in Form von Rost nach Aussen oder innen frisst. Leider haben wir unter den Leisten einige grössere Rostspots vorgefunden, die wir nicht eingeplant hatten. Diesen mussten wir dann extra viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen. Nach vier Tagen Arbeit hatten wir dann kein Material (und keine Lust!) mehr die Arbeit an der Hecktüre weiter zu führen. Zur Zeit sind die Rostspotts über dem Fenster so Wasserdicht wie möglich überklebt und warten auf bessere Zeiten (und unsere Motivation).

Van ohne Seitenteile und mit Rostspotts
Abkleben zum Ansprayen
Orange Farbe dran
Fast fertig

Fixer Einbau vom Bettrost, so wie Einbau von Seitenkästen neben dem Bett

Einbau von vier Schubladen unter dem Bett (Schubladen stammen von einem Garage Sale)

Einbau der Küchenkonstruktion mit div. Fächern, Licht und einem Waschbecken.

Dauerte ca. Zwei Tage und war anstrengend, da jedes Teil einzeln eingepasst werden musste und wir uns lange über die Aufteilung der Küche uneinig waren.

Chaos
On the road

Einbau eines kleinen 12V Kühlschranks (inkl. Gefrierfach) welcher an die Hausbatterie angeschlossen werden kann.

Einbau eines 2kW sinus Inverters zum späteren Erzeugen von 110V Netzspannung.

Einbau eines 80l Wassertanks unter das Bett. Legen der Wasserleitung zum Waschbecken in der Küchenzeile, so wie installieren einer Batteriebetriebenen Pumpe zum hoch pumpen des Wassers.

Einbau einer 255Ah Batterie unter das Bett.

Installieren von sechs Solarpanels a je 40W auf den hinteren Teil des Dachs unseres Vans, so wie verlegen der Kabel im Inneren.

Diese Aktion dauerte ca. Sechs Stunden, da dazu erst Metallhalteschienen auf das Dach geschraubt werden mussten. Dazu waren natürlich keine Schraublöcher im Dach vorhanden. Die Solarpanels lagen nachts um 23.50 Uhr auf dem Dach und der Tag endete mit einem gewaltigen Regenschauer.

Tobi auf dem Dach

Einbauen von drei Schubladen unter das Bett, so wie bauen einer eingepassten Kisten zur Reduzierung des Chaos im Fahrraum des Vans.

Weitere geplante Arbeiten am Van:

Ein Van wie Mr. Fox ist auf einem langen Roadtrip wohl nie komplett ausgebaut. Ein Freund meinte letztens: „Eigentlich ist es doch eine ziemlich frustrierende Sache. Ihr investiert unterwegs so viel Zeit, Energie und Geld in diesen Van, wenn er fertig ausgebaut ist, habt Ihr aber nichts mehr davon, weil euer Trip endet.“ Das stimmt zwar, aber wir bauen ja auch ganz gerne und sehen das ganze als Projekt. Ausserdem wissen wir noch nicht, ob wir den Van nicht nach Europa verschiffen lassen, wenn wir drüben im Osten angekommen sind.

So sind folgenden Dinge noch zum Ausbau geplant:

  • Verkleidung der Küchenzeile

  • Bau von weiteren Fächern und Stauraum unter dem Bett

  • Fertigstellen der Elektrik im Van. Sprich anschliessen von weiteren Lichtquellen und legen von Steckdosen in den hinteren Teil

  • Verschönerung der Vorhänge

  • evtl. Bau von Stauraum über dem Bett (Overhead storage)

  • Beenden der Arbeiten am Äusseren von Mr. Fox, sprich Behandlung der restlichen Rostspotts und Erneuerung der Farbe

Wir wissen: „It’s a never ending project! But we love it.“

Falls du selbst einen Van wie unseren Mr. Fox umbaust, darfst du dich gerne bei Fragen bei uns melden. 😉